tagesgedanke: wie oft noch

 

Wie oft noch willst du daran denken müssen, dass du Chancen gehabt hättest, einen Unterschied im Leben von Menschen zu machen?

Wie oft noch willst du dir vorwerfen müssen, nicht authentisch du gewesen zu sein, als es am schwierigsten war und am wichtigsten gewesen wäre?

Wie oft noch willst du dich daran erinnern müssen, dass du Gelegenheiten verpasst hast und deine Pflicht versäumt hast, deine Meinung zu sagen, auch wenn du dich dabei gefühlt unbeliebt gemacht hättest?

Wie viele Augenblicke willst du noch aufzählen können, in denen du, wenn du nur jedes Mal etwas gesagt hättest, gute Gedanken in die Welt hättest setzen können?

Wie oft noch willst du dich unter Reuegefühlen daran erinnern müssen, dass du all die Leute, deretwegen du nicht der Mensch warst, der du eigentlich bist und der du sein kannst und willst, sowieso nie wieder siehst?

Wie oft noch willst du dich daran erinnern müssen, dass du heuchlerisch beschwichtigend und ausweichend sogar dann warst, als niemand von dir erwartet hat, zu beschwichtigen und auszuweichen?

Wie oft noch willst du daran denken, wie viele kleine Gelegenheiten du selbstverschuldet vergehen hast lassen, in denen du gelernt hättest, wie du dich in Konfrontationen besser verhalten kannst?

An wie viele Male willst du dich zurückerinnern müssen, da du dich dagegen entschieden hast, den Mut, der du bist, gegen die Angst, die du hast, auszuspielen?

Wie oft noch willst du realisieren müssen, dass du die Nächstenliebe nicht richtig praktiziert hast, nämlich indem du es unterlassen hast, die Wahrheit zu sagen oder ganz du zu sein? Wie oft noch, dass du das Angebot des Lebens, Schönheit durch Güte zu schaffen, abgelehnt hast, aus grundloser Hemmung und Angst?

Wie oft noch willst du daran denken müssen, wie du Menschen nicht geholfen hast, weil andere Menschen daneben gestanden haben und ebenfalls nicht geholfen haben?

Wie oft willst du der gewesen sein, der den ersten, alles entscheidenden Schritt nicht gemacht hat?

Wie oft noch willst du dir eingestehen müssen, dir selbst untreu gewesen zu sein, nur um anderen und irgendwelchen Standards verlogen treu zu scheinen?

Wie oft noch willst du dich ohrfeigen müssen, weil du etwas - vielleicht Dummes, vielleicht Kluges, du wirst es nie wissen - nicht gesagt hast, das einen Funken Hoffnung in die Welt gesetzt hätte?

 

Zu viel Konjunktiv? Stimmt; machen wir möglichst wenige draus.

Die Fragen, was gewesen wäre, hätten wir etwas nicht gesagt oder getan, werden niemals von so viel Reue und schwächendem Missmut begleitet sein.