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träumen wagen

 

Weißt du noch, wovon du als kleines Kind, oder als Jugendlicher geträumt hast? Wie du in Geschichten eingetaucht bist, die beste Freundin der Romanfigur warst, genau wusstest, wie sie denkt, was sie sich wünscht? Wie du das Gefühl hattest, in der falschen Zeit geboren worden zu sein? Hast du dich auch darauf gefreut, dein Leben, ein leeres Blatt Papier, mit ebenso schönen Geschichten zu befüllen?

Dann wurden wir älter.

Und vor ein paar Jahren hätte ich gesagt: Träume sind Schäume. Im Leben hat man keine Zeit zum Träumen - man muss tun, was getan werden muss, und es wird sich schon ergeben, was sein soll! Auch Gutes. Und es stimmt immer noch: Man muss tun, was getan werden muss.Mittlerweile aber denke ich auch, Träume geben uns Mut, und einen Willen, und eine Vision vom Leben, auch wenn es ganz anders wird. Sie sagen uns, was wir anstreben. Dumm ists nur, wenn wir uns in ihnen verfangen und nicht damit klarkommen, wenn das Leben den Träumen anders ein Stück näher kommt, als wir erwartet haben, oder wenn sich gar Tore zu anderen Träumen auftun. Manchmal fangen wir vielleicht auch zu zweifeln an, weil unser tatsächliches Leben mit unseren Träumen so divergiert. Aber das sollte uns nicht weiter stören. Warum sollte es? Es ist dem Leben eigen, dass eben vieles nicht so ist, wie man's sich vorstellt.

Vielleicht träumt man in schwierigen Zeiten besser. Weil man die Alpträume kennt, und weiß, was nicht sein soll. Und weil man sich besser damit abfindet, wenn etwas nicht funktioniert. Man kann besser träumen, tut es aber vielleicht trotzdem nicht...

Träumst du auch seit Monaten fast nicht mehr? Machen Träume überhaupt Sinn? -  "Es ist ja so schwer, zu planen! In dieser verrückten Zeit!" Das ist wahr. Traurig wahr. Aber träumen ist was anderes als planen. Es geht auch ohne Pläne. Warum lassen wir uns die Träume und Ambitionen nehmen, nur weil es gerade schwierig ist, ihrer Verwirklichung nachzugehen? Träume sind mehr als Pläne. Sie machen uns reicher, nach innen hin, auch wenn sie für immer unerfüllt bleiben. Wie gesagt, sie statten uns aus mit Freude und Zuversicht. Und mit dem Glauben an eine bessere Welt; an eine Welt, die es wirklich gibt, und in die wir eines Tages gehen werden, wo sich alle Träume erfüllen werden. Unsere Träume sind Visionen von einer Realität, die sich  nicht in diesem Leben finden lässt, von der wir aber sehr wohl eine Ahnung in uns hineingelegt bekommen haben. Ja, Träume sind irgendwie gefährlich. Weil wir uns so leicht enttäuschen lassen, weil etwas anders kommt, als wir erhoffen. Denn, ja, Träume sind eine Art Hoffnung. Doch sie sind nur dann gefährlich für unsere innere Ruhe, wenn wir uns zu sehr an sie klammern. Glauben bedeutet, an dem festzuhalten, was man nicht sieht; die Sicherheit dessen, was man erhofft. Niemand hat jemals versprochen, dass wir unseren Glauben und unsere Hoffnungen und Träume in diesem Leben einmal vor unsere Nase gesetzt bekommen werden. Doch wir haben Glauben: den Glauben, dass all unser Hoffen und Sehnen und Wünschen in uns drin eines schönen Tages in der ewigen Welt von vollkommener Glückseligkeit erfüllt sein wird. Träumer sind Realisten... In einem anderen Sinn ^^ Und gute Träumer sind die, die nicht auf die Nase fallen, nur weil ein Traum nicht in Erfüllung geht. Und so will ich mich darin üben, zu träumen. Weil es glücklich macht und uns Vorfreude und Mut und Tatendrang schenkt.

 

 

C. S. Lewis: Wenn wir in uns selbst ein Verlangen entdecken, das durch nichts in dieser Welt gestillt werden kann, dann ist die naheliegendste Erklärung, dass wir für eine andere Welt gemacht sind.